Handlungserfordernisse und absehbare Konsequenzen für die Ausgestaltung der regionalen Entwicklungspolitik
(Freitag, 26.08.2011)

1. gemeinsame Regional- und Fachbeiratsitzung der JadeBay GmbH war gelungene Veranstaltung
Fazit: JadeBay muss als Plattform für zukünftige Wirtschaftspolitik durch politische und wirtschaftliche interkommunale Solidarität und Gemeinsamkeit weiter ausgebaut und gefördert werden

Vortrag von Prof. Dr. Hans- Ulrich Jung (Projektleiter beim Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsförderung (NIW)) und anschließende Podiumsdiskussion über Herausforderungen und Lösungsansätze für eine zukunftsorientierte Entwicklungspolitik in der JadeBay-Region

Varel, 23. August 2011 -  Erstmalig fand gestern im Technologie-und Ausbildungszentrum Varel - im Umfeld des Premium Aerotec Werkes - eine gemeinsame Sitzung von Regional- und Fachbeirat der JadeBay GmbH Entwicklungsgesellschaft statt. Ziel war es, die zwei Gremien der politischen und der wirtschaftlichen Ebene noch weiter zu verzahnen und so den Wissenstransfer und Informationsaustausch sicherzustellen und weiter auszubauen. Die JadeBay soll als Plattform für die zukünftige Wirtschaftspolitik noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Begrüßt und einzeln vorgestellt wurden von JadeBay-Geschäftsführer Detlef Breitzke die neuen Fachbeiratsmitglieder: Uwe Jahnke (Technische Bau Dienstleistungen GmbH), Oliver Dreher (Rehau AG), Christian Behrendt (ThyssenKrupp Aerospace Germany), Tom Nietiedt (Firmengruppe Nietiedt), Kristian Evers (Papier- und Kartonfabrik Varel), Michael Reitze und Wolfgang Janssen (Friesisches Brauhaus zu Jever), Frank Schlifke (Nehlsen GmbH & Co. KG), Heiko Eibenstein (Hydraulik-Pneumatik-Kontor Jade GmbH) sowie Karsten Specht (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband).

Im Anschluss folgte Breitzkes Statusbericht zu den Aktivitäten der JadeBay GmbH Entwicklungsgesellschaft, an den sich die Berichte der Vorsitzenden der Beiräte, Lars Weigel (Geschäftsführer der SGL Rotec GmbH & Co. KG in Lemwerder) und Rolf Claussen (Bürgermeister der Stadt Wittmund) zu den Aktivitäten der beiden Gremien anschlossen.

Hier kristallisierte sich heraus, dass im Zuge des wirtschaftlichen und demografischen Wandels die JadeBay sowohl als Wirtschafts- und Lebensstandort als auch als Marke national wie international noch weiter an Bedeutung gewinnen muss.

Diese Attraktivität der JadeBay für Unternehmer, Fachkräfte und Familien gleichsam kann nur gemeinsam von Wirtschaft und Politik erreicht und weiter herausgearbeitet und verbreitet werden. Nicht zuletzt auch, weil der demografische Wandel nur durch ein arbeitsmarktpolitisches Zusammenrücken ausgeglichen werden kann.

Die zukünftigen Förderprogramme des Landes sind essentiell für das, was die Region in Zukunft wird leisten können und die Qualität entsprechender Anträge für infrastrukturelle Förderprogramme kann nur im Verbund einer Interessenslage der ganzen Region, also auf politischer und wirtschaftlicher Ebene, erreicht werden.

Herr Prof. Dr. Rothkopf, stellvertretender Vorsitzender des Fachbeirats und externer Berater der JadeBay GmbH für den Bereich Energie/Chemie unterstrich diesen Punkt der Solidarität und des „Gemeinsam-an-einem-Strang-ziehen“ in Bezug auf die Offshore-Windindustrie, die dringend der Landesförderung bedarf. Hier appellierte er insbesondere auch an die Vertreter des Regionalbeirates, politisch auf die Landesregierung einzuwirken, damit die Region hier in den Genuss infrastruktureller Fördergelder kommen kann.

Hintergrund ist in diesem Zusammenhang die Gründung einer Arbeitsgruppe „Offshore“ mit Schwerpunkt Wilhelmshaven und unter Beteiligung der Wirtschaftsförderung Wesermarsch. Diese hat das Ziel, das Angebot der gesamten Region abzubilden.

Schlagkraft wird diese Arbeitsgruppe durch Branchenspezialisten der Offshorebranche bekommen. Über diesen Weg sollen aktiv Unternehmen angesprochen werden, die sich für den Windindustriestanort JadeBay interessieren. Entscheidend für eine erfolgreiche Positionierung der Region, wird hier die Kooperation von Wirtschaft und Politik sein, da die Wirtschaft allein nicht die Mittel zur Realisierung entsprechender Infrastruktur aufbringen kann.

Eigens aus Hannover war Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung angereist, seit 1982 beim NIW tätig, der über eine zukunftsorientierte Entwicklungspolitik in der JadeBay-Region referierte und seine Ausführungen dabei anhand von statistischen Werten belegte. Prof. Dr. Jung ist mit der JadeBay-Region sehr vertraut, da er bereits in der Vergangenheit an zwei Gutachten[1] für unsere Region mitgearbeitet hat.

In seinem Vortrag ging Professor Jung zunächst auf die Herausforderungen ein, die auf die JadeBay-Region zukommen. Die bestehenden intensiven Verflechtungen innerhalb der JadeBay, wie bspw. die Pendlerströme lassen die gesamte JadeBay-Region von den regionalwirtschaftlichen Effekten profitieren. Gleichzeitig sind strategische Kooperationen der Unternehmen und aller beteiligter Gebietskörperschaften nach dem Vorbild entwicklungsstarker Kooperationsregionen unbedingt geboten.

Für den JadeBay-Raum lässt sich seit 2005 eine positive Beschäftigtenentwicklung feststellen. Die JadeBay ist zwar keine „Boom-Region“, sie sei aber auch längst kein schwacher Küstenraum mehr. Chancen für eine anhaltende positive Entwicklung sind vor allem in den regionalen Leitbranchen maritime Wirtschaft/ Hafenwirtschaft, Luftfahrzeugbau, Tourismus, Energie/ Chemie sowie Bundeswehr/ Marine möglich. Im Zeitraum zwischen 2008 und 2010 haben insbesondere in der Logistikbranche, im Tourismus und im Gesundheitswesen deutliche Beschäftigungszuwächse stattgefunden.

Die Inbetriebnahme des JadeWeserPorts wird, so Professor Jung, zu einem der bedeutsamsten Entwicklungsanstöße der Region werden. Entwicklungsaufgabe besteht ferner darin, einen möglichst großen Anteil der Impulse in den vor- und nachgelagerten Produktions- und Dienstleistungsbereichen in die Region zu lenken. Obwohl sich die Entwicklung vergleichsweise günstig darstellt, wies Professor Jung ausdrücklich auf die Risiken hin: Internationalisierung, Bundeswehrreform usw.

Des Weiteren verdeutlichte Professor Jung den engen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Dynamik und der demographischen Entwicklung. Das Arbeitskräftepotenzial einer Region ist ein entscheidender Faktor für die demographische Entwicklung. Obwohl sich seit 2005 eine positive Beschäftigungstendenz feststellen lässt, reicht die Entwicklung nicht aus, um einer Bevölkerungsabnahme entgegen zu wirken. Bei sinkender Bevölkerungszahl der in JadeBay-Region stellt Professor Jung einen erhöhten ausbildungsbedingten Zuzug junger Menschen fest. An dieser Stelle betonte er, dass Anstrengungen zur Sicherung des Arbeitskräftepotenzials notwendig sein werden, da ansonsten Wachstumsengpässe drohen. Hierzu zählen u. a. das Überführen von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung, eine längere Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern, die Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und die Zuwanderung von qualifizierten Kräften.

Abschließend erläuterte Professor Jung noch grundlegende Änderungen in der Strukturpolitik. So werden einzelbetriebliche Unternehmen künftig weniger gefördert, regionale Kooperationsräume, wie die JadeBay mit regionsspezifischen Entwicklungsstrategien, werden dagegen mehr gefördert. (Die neue Förderperiode beginnt 2014 und die regionale Strukturförderung hat eine große Bedeutung für die Entwicklung der Küstenregion, vgl. oben.)

Ebenfalls entscheidend für eine Förderung ist lt. Professor Jung aber auch die Themenwahl: Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt, Energie, Klima und Demographie werden begünstigt. Zudem wird auch eine stärkere Innovationsförderung stattfinden.

Mit auf den Weg gab Professor Jung den JadeBay-Beirats-Vertretern abschließend noch sieben Leitlinien als Grundlage für die zukünftige Strukturpolitik der JadeBay, die die Arbeit in den Gremien zukünftig in großem Maße mitbestimmen werden. Die Ausgestaltung der regionalen Entwicklungspolitik der JadeBay-Region wird entscheiden, ob „Boomfaktor Küste“ nur Marketing oder umgesetzte Chancen, also Erfolg bedeuten wird.

Pressestimmen

FRI-TV

Jade-Weser-Zeitung, 31. August 2011

 


[1] Im Jahr 2000/01 entstand in Zusammenarbeit zwischen NIW und BAW (Bremer Ausschuss für Wirtschaft) ein Gutachten zu den Entwicklungsperspektiven für die Region mit und ohne den JadeWeserPort. 2005/06, als feststand, dass der Hafen kommt, erstand in Zusammenarbeit von NIW und NordLB das Folgegutachten „Strategische Ansätze für ein Regionales Standortmanagement Jade-Weser-Raum“ zu den Entwicklungsperspektiven der Region.

 

Neue Mitglieder im JadeBay-Fachbeirat; v.l.n.r.: Kristian Evers (Papier- und Kartonfabrik Varel), Heiko Eibenstein (Hydraulik-Pneumatik-Kontor Jade GmbH), Frank Schlifke (Nehlsen GmbH & Co. KG), Detlef Breitzke (Geschäftsführer JadeBay), Uwe Jahnke (Technische Bau Dienstleistungen GmbH), Michael Reitze (Friesisches Brauhaus zu Jever), Karsten Specht (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband) Tom Nietiedt (Firmengruppe Nietiedt)

Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsförderung (NIW)

Mittwoch, 16.05.2012

Heute wieder: JadeBay ON AIR mit dem Wirtschaftsmagazin "JadeBay Aktuell"

JadeBay On Air auf UKW 87,8 oder über das Netz via Livestream auf www.radiojade.de (roter Button...

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