Fachkräfteberatung in der JadeBay

Gemeinsam mit 21 Bündnispartnern haben wir vom Land 2015 die Anerkennung für das Regionale Fachkräftebündnis JadeBay erhalten und 380 T€ zusätzliche Fördermittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) eingeworben. Damit können zusätzliche Projekte zur Sicherung der Fachkräfteversorgung der Unternehmen in der JadeBay-Region ins Leben gerufen werden.

Das „Regionale Fachkräftebündnis JadeBay“ unterstützt und begleitet den Strukturwandel in der JadeBay-Region, die neben der Stadt Wilhelmshaven die Landkreise Friesland, Wesermarsch und Wittmund umfasst. Das Bündnis wird getragen von den Kammern, Verbänden, Kommunen, Arbeitsagenturen, Jobcentern, Wirtschaftsförderungen sowie der Jade Hochschule. Sitz der Geschäftsstelle ist Wilhelmshaven.

Zum 1. Januar 2017 haben wir unser neues Fachkräfteteam zusammengestellt. Für unser, durch den Europäischen Sozialfonds gefördertes und zunächst auf zwei Jahre befristetes Projekt, haben wir drei Fachkräfteberater/innen in Vollzeit eingestellt. Diese werden sich auf die Zielgruppen Arbeitssuchende, Höherqualifizierte und junge Menschen konzentrieren.

Das wesentliche Ziel dieses Teams liegt darin, den Wirtschaftsstandort JadeBay weiter zu entwickeln und die hier ansässigen Unternehmen bei der Bewältigung des Fachkräftemangels zu unterstützen.

Im Projekt werden die drei zielgruppenorientierten Schwerpunktthemen flexibel im Team bearbeitet. Jedes neue Teammitglied übernimmt dabei einen Bereich als Hauptverantwortlicher(e).

Das strukturbildende Projekt orientiert sich am "Handlungskonzept des Regionalen Fachkräftebündnisses JadeBay" und der dort identifizierten sechs Zielgruppen mit Potenzialen zur Verbesserung des regionalen Fachkräfteangebotes. Auf der konstituierenden Sitzung der 21 Bündnispartner am 4. November 2015 haben sich diese entschlossen, drei dieser Zielgruppen und hier die Gruppe der „Arbeitslosen, Höherqualifizierten und Jungen Menschen“ besonders zu berücksichtigen.

Von Februar bis April 2016 wurde die Projektkonzeption zugunsten der drei Potenzialgruppen zusammen mit Bündnispartnern und externen Kompetenzträgern erarbeitet und auf der Lenkungsgruppensitzung des „Regionalen Fachkräftebündnis JadeBay“ am 19.04.2016 im Konsens aller Bündnispartner positiv entschieden. Ohne das Fachkräftebündnis wären diese Maßnahmen nicht zustande gekommen, zumal die Vielfalt der Bündnispartner einen Abgleich mit bereits am Markt vorhandenen Angeboten jederzeit ermöglichte und somit neue und innovative Ansätze zugunsten der Fachkräftesituation entwickelt werden konnten.

 

Was sind die Projektziele im Rahmen der Zielgruppe der Arbeitssuchenden?

Für die Arbeitssuchenden setzt die Arbeit des Fachkräfteberaters / der Fachkräfteberaterin nach deren Vermittlung an. Die Konzentration gilt dabei den Personen, die mit geringeren Qualifikationen oder anderen Vermittlungshemmnissen in ein Unternehmen überführt werden. Häufig wird dort festgestellt, dass der vermittelte Arbeitnehmer / die vermittelte Arbeitnehmerin das Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten wieder verlässt. Durch die hohe Fluktuation ist eine generelle Personalentwicklungsplanung und somit Nachhaltigkeit der Fachkräftesituation gerade bei den klein- und mittelständischen Unternehmen nur bedingt möglich. Um das neue Angebot erfolgreich zu platzieren, bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsvermittlern, den Unternehmen, die einen Arbeitssuchenden einstellen und den Fachkräfteberatern/-innen, die über das „Regionale Fachkräftebündnis JadeBay“ eingesetzt werden.                                                                                  

Um das zu gewährleisten, soll innerhalb der kommenden zwei Jahre eine Modellregion gewählt werden, in der die Fachkräfteberater/-innen zum Einsatz kommen. Diese Modellregion ist der Landkreis Wesermarsch, da dieser in der Bewertung der zahlenmäßigen Entwicklung der nachhaltigen Vermittlung von Arbeitssuchenden lt. Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Vermittlung von länger als zwölf Monaten in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung) von 2013 auf 2014 innerhalb der JadeBay-Region den größten Nachholbedarf hat.

Wie soll die Umsetzung durch die Fachkräfteberater/-innen erfolgen?

Durch vorbereitende und flankierende Arbeiten wie

  • den kontinuierlichen Aufbau persönlicher Kontakte zum Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, der jeweiligen Jobcenter; Kammervertreter, Wirtschaftsförderer sowie sonstigen Akteuren im Umfeld von Wirtschaft und Arbeit.
  • Öffentlichkeitsarbeit und hier der Bekanntmachung und Bewerbung des neuen Angebotes (u. a. durch Infoflyer, Websites von Partnern, Teilnahme an Veranstaltungen/Vorträge halten).

Durch Beratung und Hilfestellung wie

  • Kontaktaufnahme zu Unternehmen in Absprache mit der Agentur für Arbeit bzw. durch direkte Beratungsnachfrage/Terminierung mit einem Betrieb.
  • Einbindung vorhandener Beratungsmöglichkeiten, z. B. Demografie-Agentur.

Was sind die Projektziele im Rahmen der Zielgruppe der Höherqualifizierten?

Die Anzahl der Personen mit komplexer Tätigkeit oder Höherqualifizierter ist lt. Bundesagentur für Arbeit auf Grund der großen Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen, kaum vorhandenen Großunternehmen mit überregionaler Strahlkraft und der geringen Zahl von Innovationen und Technologietransferaktivitäten gegenüber dem Land Niedersachsen unterdurchschnittlich.

Das Projekt setzt hier an, will sich dabei aber speziell den Studienaussteigern/-innen widmen, die durch ihre Zulassung zu einem Hochschulstudium über eine gehobene schulische Ausbildung verfügen. Alleine am Standort Wilhelmshaven mit aktuell lt. Jade Hochschule ca. 4.500 Studierenden steigen über alle drei Studiengänge jedes Jahr 15% und somit 675 Personen aus dem Studium aus. Die Gründe sind zwar vielfältig, was jedoch feststeht ist, dass diese Personen so gut wie kaum dem regionalen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Entweder verlassen diese Personen die Region, da sie an anderer Stelle zuhause sind oder sie wechseln den Studienort, um sich dort neu zu orientieren.

Die Jade Hochschule hat in der JadeBay-Region zwei Standorte. Neben Wilhelmshaven ist das Elsfleth im Landkreis Wesermarsch. Wilhelmshaven soll als größter Standort der Jade Hochschule (Wilhelmshaven: 4500 Studierende, Elsfleth 700 Studierende) im Projekt Modellstandort werden, da hier quantitativ das größte Potenzial über die Studiengänge Ingenieurwissenschaften, Medienwirtschaft und Wirtschaft gesehen wird.

Im Projekt gilt es zu erarbeiten, das sensible Thema des Studienabbruchs als „Tabu“ aufzubrechen und das mögliche „Scheitern“ für die „noch-Studierenden“ als echte Chance zur beruflichen Neuorientierung zu vermitteln. Unterstützt werden die Fachkräfteberater/-innen dabei insbesondere durch die Zentrale Studienberatung der Jade Hochschule.

Wie soll die Umsetzung durch die Fachkräfteberater/-innen erfolgen?

Durch vorbereitende und flankierende Arbeiten wie

  • Transparenz herstellen (Berufswege außerhalb der Hochschule aufzeigen)
  • die Bekanntmachung und Bewerbung des neuen Angebotes (u. a.: Infoflyer, persönliche Ansprache von Professoren / Tutoren / Studierenden, evtl. eigenen Alumni-Bereich an Hochschule für Studienaussteiger/-innen aufbauen, Extra-Rubrik auf der JadeBay-Internetseite, evtl. dort auch Aufnahme und Einstellung von Kompetenzprofilen)

Durch Beratung und Hilfestellung wie

  • die Beratung von potenziellen Studienaussteigern/-innen (z. B. Aufzeigen der Möglichkeiten der Verwertung bisher erworbener Kompetenzen,  Suche nach passgenauen, individuellen Lösungen, Stabilisierung des Selbstwertgefühls der Umsteiger/-innen)
  • die Sensibilisierung / Beratung von Unternehmen zur vermehrten Einstellung von Studienaussteigern/-innen

Durch gemeinsame Aktionen des Bündnisses wie

  • feste Beratungssprechtage für Studierende an der Hochschule und gemeinsame Aktionstage in Zusammenarbeit mit Arbeitsagenturen, Jobcentern und Kammern
  • besondere Veranstaltungen, z. B. Kaminabende oder 'Jade-Umsteigetage'

Durch Begleitmaßnahmen wie

  • Erkundung (z. B. im Rahmen von Unternehmensbefragungen), ob Unternehmen Studienabbrechern/-innen grundsätzlich positiv gegenüberstehen und unter welchen Voraussetzungen sie theoretisch bereit wären, Studienaussteiger/-innen einzustellen
  • Abgleich des Azubi-Matchings in Zusammenarbeit mit dem Jade Wirtschafts- und Arbeitgeberverband e.V.

Was sind die Projektziele im Rahmen der Zielgruppe der „Jungen Menschen“?

Die demografische Entwicklung in der JadeBay-Region zeigt deutlich, dass jungen Menschen die Region zu Ausbildungszwecken seit längerer Zeit verlassen. Dabei gilt: Je besser schulisch ausgebildet die jungen Leute sind, desto eher verlassen diese die Region und kehren nur selten zurück!

Alle Studien in Zusammenarbeit mit bspw. der Jade Hochschule zeigen jedoch auch, dass die JadeBay-Region optimale Voraussetzungen für eine ausgeglichene Work-Life-Balance bietet. Die Themen „Leben und Lernen“  werden überdurchschnittlich positiv bewertet und führen häufig dazu, dass „Junge Menschen“ in der Region auch eine berufliche Perspektive suchen. Somit gilt es, sich den jungen Leuten zwischen 16- 25 Jahren zu widmen, die bereits in der Region sind und hier eine familiäre oder schulische / studientechnische Verankerung haben und diese weiterhin an die Region zu binden.

Experimentell sollen darüber hinaus Gäste und Urlauber über soziale Medien, das Internet und bei Gelegenheit auch Printmittel für den Arbeitsmarkt in der Region sensibilisiert werden.  Schwerpunktorte können das Freizeitareal "Center Parcs Park Nordseeküste" in Tossens, Gemeinde Butjadingen, Landkreis Wesermarsch und/oder der größte Campingplatz Niedersachsens in Schillig, Gemeinde Wangerland, Landkreis Friesland sein. Center Parcs empfängt alleine 5.000 Jugendliche jährlich zu Schulabschlussfahrten.

Wie soll die Umsetzung durch die Fachkräfteberater/-innen erfolgen?

Junge Menschen stärker als bisher über die „Chancenregion JadeBay“ aufklären durch

  • die Einbindung in die Vorlesungen der Erstsemester an den Standorten der JadeBay-Region in Wilhelmshaven und Elsfleth. Bei vier Fachbereichen (Wirtschaft, Ingenieurwissenschaften, Management/Information/Technologie, Seefahrt und Logistik) wären das vier Vorlesungen pro Semester und somit acht Vorlesungen pro Kalenderjahr,
  • die Einbindung in den Unterricht der 12. Klassen der gymnasialen Oberstufen der JadeBay-Region, um speziell die schulisch besser ausgebildeten jungen Menschen zu binden. Hier unterstützt der aktuelle Erlass des Nds. Kultusministeriums, der den Gymnasien ab dem Schuljahr 2017/2018 einen stärkeren Ansatz der Berufsorientierung innerhalb der Lehrpläne vorschreibt,
  • den Auftritt des Bündnisses auf so genannten Job-Messen der Region. Das sind: Job4u Wilhelmshaven und Oldenburg, CareerDays in Wilhelmshaven und Oldenburg, Berufsfindungsmesse Brake
  • Unternehmen der Region als Markenbotschafter der JadeBay-Region gewinnen.