Hoch hinaus für noch mehr Weitblick
„Leben mit Weitblick“ ist das Motto der Jadebay. Ein Unternehmer nimmt das besonders wörtlich.

In der Jadebay-Region gibt es kaum Punkte, die mehr als zehn Meter über dem Meeresspiegel liegen. Gelegen am Jadebusen, an der Nordsee, liegt Wilhelmhaven nur zwei Meter über „Normal Null“, Wittmund immerhin vier Meter. „Ohne Deiche würden wir schon mittags sehen, wer uns abends besuchen kommt“, beschreiben die bodenständigen Einheimischen die Landschaft ihrer Heimat selbst. Einer Unternehmer wächst trotzdem besonders in die Höhe – für noch mehr Weitblick.

Gerüstbauer bauen natürlich in alle drei Dimensionen: in die Tiefe, die Breite und vor allem in die Höhe. In Wilhelmshaven wächst ein Gerüstbauer seit über 75 Jahren mit seinen Kunden in alle drei Richtungen. Der heutige Geschäftsführer Tom Nietiedt, hat einen ganz eigenen Blick auf die Region. Und ein bisschen liegt das auch an der Perspektive. „Oft arbeiten wir in 100 Meter Höhe“, erklärt der Enkel des Firmengründers. Leben mit Weitblick bekommt so eine zusätzliche Bedeutung.

Der gelernte Maler und Lackierer und Diplom-Ökonom nennt die Menschen hier in der Region „sturmerprobt“ und „geerdet“. Menschen, die von außen kommen, finden in ihnen zuverlässige Partner. Seine Mitarbeiter setzten riesige Projekte um. Sie und ihre Gerüste sind die Basis für Bauarbeiter, die in die Höhe bauen wollen. Ein Arbeitsplatz in der Höhe wird so auch dauerhaft hergestellt – zum Beispiel für Wartungsarbeiten: „Wir folgen unseren Kunden in die Höhe“, sagt Nietiedt.

In Spitzenzeiten bauen 400 der insgesamt 660 Mitarbeiter Gerüste in ganz Europa auf und ab. Vor allem Baugerüste, Wetterschutzdächer, Dachfanggerüste, Schwerlasttürme.

Schiffe sind wichtig für die Region, hier wo die Marine seit 160 Jahren zu Hause ist. Auch Schiffe werden mit Gerüsten umbaut. Im Schiffsgerüstbau werden im Trockendock auch Teile eines Schiffs eingerüstet, die sonst unter Wasser liegen. Auch das Heck, die Seitenbereiche und das Dach werden verkleidet. Große Tanker zusätzlich sogar von innen: Für Schweißarbeiten, Säuberungsarbeiten, Prüfarbeiten.

Tom Nietiedt ist mit der Region tief verbunden. Sein Unternehmen ist seit der Gründung in Wilhelmshaven ansässig. Er ist Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes, IHK-Vorsitzender von Wilhelmshaven, Mitglied im
Beirat der IHK Oldenburg und Mitglied des „Center of Competenz“ – einem Unternehmensnetzwerk der Region, das Unternehmen einen idealen Anlaufpunkt für ihre Ideen gibt.

Der passionierte Segler Nietiedt ist herum gekommen. Er wuchs nach seiner Geburt in Wilhelmshaven in Stuttgart auf und verbrachte seine Studienzeit im Ruhrgebiet. Nach einer weiteren Station in Mecklenburg-Vorpommern ist er heute wieder in der Jadebay zu Hause und sieht hier jede Menge Chancen – nicht immer ist dafür Weitblick nötig.

Weitblick bedeutet auch den Blick in eine weitere Dimension: die Zukunft. Und da bietet der neue Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port als „Leuchtturm-Projekt“ alle Voraussetzungen, um eine aufstrebende Region voran zu bringen. „Der Hafen ist hier die große Perspektive“, ist Tom Niedtiedt sich sicher. „Wir brauchen ein kraftvolles Miteinander in der Region. Wenn diese Vision greift, profitiert davon die ganze JadeBay.“ Neue Produktionsstandorte entstehen in Städten und Gemeinden, Unternehmen siedeln sich an und spezialisieren sich. „Die Jobs bringen die Mittelständler. Die Menschen der Region müssen sich an der Ausgestaltung der Möglichkeiten und der Zukunft beteiligen.“

 

Drei Fragen – drei Antworten

jade-bay.de: „Herr Nietiedt, was macht die Jadebay-Region für Sie besonders?“

Tom Nietiedt: „Sehr viel. Die Region bietet enormes Entwicklungspotenzial. Wir haben direkten Zugang zum Wasser und so zu internationalen, globalen Warenströmen. Außerdem findet hier jeder den Platz, den er braucht, um sich zu entwickeln und zu entfalten. Unser größtes Pfund sind aber die Menschen der Region. Ihre Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit macht sie zu guten Partnern für jeden, der von außen in die Region kommt.“

jade-bay.de: „Sie sind der Region auch durch viel Engagement verbunden. Wie wird sich die Region Ihrer Meinung nach in der Zukunft entwickeln?“

Tom Nietiedt: „Infrastrukturprojekte sind für die Region nach wie vor wichtig. Unser Tiefseehafen, der C-Port, ist hier eine ganz entscheidende Maßnahme. Erst die Infrastruktur bringt die Menschen zusammen, verkürzt Wege und lässt Synergien entstehen.“

jade-bay.de: „Was macht die Region für Sie aus?“

Tom Nietiedt: „Ich bin ein begeisterter Segler, seit kurzem gehört mir gemeinsam mit Freunden wieder ein Boot. Das Meer macht die Region aus. Außerdem natürlich die Sprache. Das Plattdeutsche mag ich sehr. Ich mag die kleinen, alten Kirchen der Region und ich liebe die regionale Küche, zum Beispiel den frisch geräucherten Fisch oder frischen Buchweizenpfannkuchen.“

 

Fakten zur Firma Nietiedt

  • gegründet 1938 in Wilhelmshaven
  • der Familienbetrieb hat heute 640 Mitarbeiter und einen Umsatz von 85 Millionen Euro
  • heute elf Niederlassungen und Zweigstellen in ganz Deutschland und in Portugal
  • aktiv im Gerüstbau, der Oberflächentechnik, Maler- und Dämm- und Putzarbeiten, der Akustik

Fakten zu Tom Nietiedt

  • 49 Jahre alt
  • zweifacher Familienvater
  • Nach Abitur, Lehre zum Maler und Lakierer
  • anschließend Studium der BWL und Wirtschaftswissenschaften in Witten / Herdecke
  • 1994 Prokurist einer Zweigstelle des elterlichen Unternehmens in Mecklenburg-Vorpommern, das sich auf die energetische Sanierung spezialisiert hat
  • 2007 Übernahme der Geschäftsführung zusammen mit seinem Vater
  • seit 2014 Alleingesellschafter
  • leidenschaftlicher Segler
  • mag das Plattdeutsche und die regionale Küche
  • ist der Marien in Wilhelmshaven sehr verbunden