
Interview mit Dipl.-Physiker Frank Albers

Die GDF SUEZ Energie Deutschland AG - die bis Januar 2009 als Electrabel Deutschland AG firmierte - baut derzeit ein Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Das Kraftwerk, das mit einem Wirkungsgrad von über 46% zu den modernsten Anlagen weltweit gehören wird, schafft ca. 300 direkte und indirekte Arbeitsplätze in der JadeBay Region.
Das nachfolgende Interview mit dem Lokalen Projektkoordinator aus dem Ressort Erzeugung, Dipl.-Physiker Frank Albers, gibt Hinweise zu dem Unternehmen selbst, erläutert die Beweggründe der Ansiedlung und die Chancen der Region in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.
GDF SUEZ mit Sitz in Frankreich ist ein weltweit agierendes Unternehmen der Energiebranche. Liest man auf der Homepage die Fakten, so beschäftigt GDF SUEZ ca. 200.000 Arbeitnehmer und hat in 2008 einen Umsatz von ca. 83 Milliarden Euro gemacht. Was verbirgt sich hinter diesem Konzern?
GDF SUEZ ist einer der weltweit führenden Energieversorger und ist entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette von Strom und Gas tätig. In Deutschland sind wir seit gut 10 Jahren tätig. Bis Januar 2009 firmierten wir unter dem Namen Electrabel Deutschland AG. Wir beliefern Industriekunden, Stadtwerke und kommunale Einrichtungen mit Strom und Gas. Wir arbeiten eng mit den Stadtwerken Saarbrücken, Gera und Wuppertal zusammen und beliefern gemeinsam Haushaltskunden in Südwest-, Mittel- und Westdeutschland mit Strom, Fernwärme und Gas und betreiben Kraftwerke. Zusammenfassend kann man sagen: Wir verbinden die Stärke einer weltweit tätigen Energiegruppe mit der Flexibilität eines jungen Energieunternehmens.
Was für ein Kraftwerk wird GDF SUEZ in Wilhelmshaven bauen?
Wir werden auf dem Rüstersieler ein Steinkohlekraftwerk der 800 MW-Klasse bauen. Mit einem Wirkungsgrad von mehr als 46 Prozent wird es zu den modernsten Kraftwerken dieser Art gehören. Darüber hinaus haben wir uns freiwillig dazu verpflichtet, 50 Prozent und mehr unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten für Staub, Stick- und Schwefeloxide zu bleiben. Wir stehen also für modernste Technik und Kompetenz bei Bau und Betrieb von Kraftwerken!
Die GDF SUEZ hat sich für Wilhelmshaven als Standort entschieden. Wie gestaltet sich eigentlich ein Verfahren für die Standortfindung und was hat schließlich den Zuschlag für Wilhelmshaven und somit die JadeBay Region gebracht?
Wir haben bereits 2004 begonnen, nach Standorten für den Bau eines Steinkohlekraftwerks zu suchen. Dabei haben wir mögliche Standorte nach verschiedenen Faktoren untersucht: Kohlelogistik, Infrastruktur, Netzanbindung, Möglichkeit zur CO2-Abtrennung und –Speicherung etc. Aus einem Pool von zahlreichen Standorten haben wir dann nach und nach die Suche eingegrenzt. Wir haben uns für Wilhelmshaven entschieden, da wir hier besonders attraktive Bedingungen finden und mit der Stadt Wilhelmshaven einen verlässlichen Partner haben. Wilhelmshaven bietet als Standort optimale Bedingungen für die Errichtung eines Steinkohlekraftwerks. Die Seehafenanbindung erlaubt einen kostengünstigen und schnellen Kohletransport. Für die Kohlelogistik haben wir mit Rhenus Midgard einen erfahrenen Partner mit Sitz hier vor Ort gewählt. Der Küstenstandort ermöglicht darüber hinaus, eine Durchflusskühlung zu verwenden und somit auf einen Kühlturm zu verzichten. So kann der Wirkungsgrad des Kraftwerks nochmals um fast einen Prozentpunkt erhöht und der Ausstoß an Kohlendioxid weiter verringert werden. Zudem haben wir uns als Unternehmen in Wilhelmshaven immer willkommen gefühlt und hohe Akzeptanz von Bürgern, Politik und Wirtschaft erfahren.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 19. September 2008. Wenn man auf dem Deich neben dem zukünftigen JadeWeserPort spazieren geht, kann man die gigantische Kraftwerksbaustelle gut einsehen. Wie lange ist eigentlich die Bauzeit, wie viele Menschen arbeiten auf der Baustelle und welche Wertschöpfung entsteht während der Bauphase?
Bei dem Kraftwerksbau auf dem Rüstersieler Groden handelt es sich neben dem JadeWeserPort um das größte Bauprojekt in der Region. Wir investieren über eine Milliarde Euro in das Projekt. Davon wird ein beträchtlicher Teil in der Region verbleiben. Derzeit arbeiten bereits über 600 Menschen auf der Baustelle, Mitte 2010 werden bis zu 1.500 gleichzeitig auf der Baustelle tätig sein. Den kommerziellen Betrieb planen wir Anfang 2012 aufzunehmen.
Mit der Inbetriebnahme entstehen ca. 300 direkte und indirekte Arbeitsplätze. Welche Qualifikationen müssen Ihre Arbeitnehmer mitbringen? Wird Ihr Unternehmen künftig vor Ort ausbilden und wenn ja, wie können wir junge Menschen sensibilisieren, sich für Ausbildungsberufe in Ihrem Unternehmen zu bewerben?
Für den sicheren Betrieb eines Kraftwerks benötigen wir hochqualifizierte, engagierte und talentierte Mitarbeiter. Um dies bis 2012 sicherzustellen, bilden wir einen großen Teil unserer Mitarbeiter selber aus. Diese Auszubildenden lernen dazu bereits jetzt an der Kraftwerksschule in Essen und an den Kraftwerksstandorten von GDF SUEZ in Saarbrücken und Gelderland (Niederlande) Theorie und Praxis eines Kraftwerks kennen. Wir suchen aber auch weiterhin Mitarbeiter mit Neugier, Engagement und Spaß an hochmoderner Technik. Bei der Suche richten wir uns gezielt an Menschen aus der Region und konnten auch schon zahlreiche neue Mitarbeiter hier vor Ort finden. Und natürlich werden wir in der Betriebsphase des Kraftwerks weiter ausbilden.
Die Jade Wirtschaftsförderung GmbH reicht Ihnen die Hand für eine gute Zusammenarbeit. Haben Sie Ideen zur Zusammenarbeit mit der JadeBay Region für die kommenden Jahre?
Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit und einen intensiven Ideenaustausch mit der JadeBay Region. Wir haben uns als Unternehmen in Wilhelmshaven von Anfang an willkommen gefühlt und hohe Akzeptanz von Bürgen, Politik und Wirtschaft erfahren. Als neuer Nachbar hier vor Ort wollen wir auch weiterhin ein verlässlicher und langfristiger Partner der Region und seiner Bürger sein.
Herr Albers, wir danken Ihnen für das Gespräch.

jade-bay.com
