
Interview mit Herrn Weigel, Geschäftsführer SGL Rotec GmbH & Co. KG

Das Unternehmen SGL Rotec GmbH & Co. KG wurde ursprünglich von der Boots- und Yachtwerft Abeking & Rasmussen für den Bereich der Rotorblattherstellung gegründet. Was veranlasste einen klassischen Werftbetrieb dazu, sich im Bereich der alternativen Energien zu engagieren? Spielten die Gegebenheiten vor Ort hierbei eine (besondere) Rolle?
In den 80 Jahren hatte die Werft einen Auftrag von der Bundes Marine erhalten, Anbauteile für U-Boote aus Faserverbundkunststoffen (FVK) herzustellen. Für diesen Auftra, wurde auf der Werft eine Abteilung für die Fertigung dieser FVK-Bauteile aufgebaut. Als sich der Auftrag dem Ende zu neigte, suchte Herr Schaedla nach neuen Aufgabenfeldern für die Abteilung. Er entschied sich für die Fertigung von Rotorblättern für Windenergieanlagen. Der Standort mit seiner guten Verkehrsanbindungen Straße, Schienen und der direkt Wasserzugang waren ideal für den Abtransport der Blätter. Diese Voraussicht zahlt sich heute aus, denn die großen Rotorblätter für Offshore-Windenergieanlagen können nur noch mit einem Schiff abtransportiert werden.
Durch den Einstieg der SGL-Group in 2008 soll das Unternehmen als ein führender Hersteller von Rotorblättern positioniert werden. Wird dieses Vorhaben durch die weiteren in der Region vorhandenen Betriebe des Sektors „Windenergie“ positiv beeinflusst?
Sicherlich werden wir als SGL Rotec weiter mit unseren Zulieferer aus der Region zusammenarbeiten. In der Vergangenheit sind aus dieser Zusammenarbeit einige innovative Entwicklungen hervorgegangen. Das aufgebaute Netzwerk und erarbeitete Wissen werden wir weiter nutzen. Weiter nutzen wir die Nähe zu den Universitäten und Hochschulen der Region, um nötige Entwicklungen voranzutreiben. Das die Region attraktiv für die Windenergie ist, kann man an den vielen Neuansiedlungen der letzten Jahre in der Region sehen. Nicht umsonst wurde der Standort für das neue Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in die Region nach Bremerhaven gelegt.
Ein Standort am Wasser ist für einen Werftbetrieb unerlässlich. Welche Vorteile machen den Standort für Sie als Rotorblatthersteller attraktiv?
Der direkte Wasserzugang ist für uns unverzichtbar geworden. Die Rotorblätter für Offshore-Windenergieanlagen haben heute schon die Länge von 61 m und eine Blatttiefe von 6 m erreicht. Die zukünftigen Rotorblätter werden sicherlich noch größer. Diese großen Rotorblätter können nicht mehr über die Straße abtransportiert werden. Dies geht nur noch über den Wasserweg. Mit unserem Standort in Lemwerder an der Weser und direkter Anbindung an den Ochtumhafe ist gewährleistet, dass wir auch in Zukunft die bei uns gefertigten Blätter abtransportieren können.
Diverse Gutachter gehen davon aus, dass die Optionen der Offshore-Windenergie neue Impulse für den Küstenraum bieten. Welche Zukunftschancen sehen Sie für die Region in diesem Bereich? Ist auch der Onshore-Bereich ein weiterhin aussichtsreiches Betätigungsfeld?
In den nächsten Jahren wird Onshore sicherlich noch den größeren Anteil bei der Herstellung von Windenergieanlagen in unserem Raum haben. Mittelfristig wird sich dies aber ändern. Die Zukunft liegt für uns ganz eindeutig im Bereich Offshore. Deutschland und hier vor allem die Nordsee ist neben Großbritannien der größte Markt für Offshore-Windenergieanlagen. Alle Anlagenhersteller von Offshore-Anlagen (Repower, Areva Multibrid und BARD) haben ihre Fertigungsstätten für die 5MW und größeren Anlagentypen hier aufgebaut. Einige Zulieferer sind schon gefolgt und weitere werden sicher folgen. Dies ist allein aus logistischen Gründen schon notwendig.
Welche Wünsche oder Anregungen würden Sie einem Standortmanagement für die Jade Bay Region mit auf den Weg geben?
Es ist unbedingt notwendig, dass die Infrastuktur den Bedürfnissen zum Transportieren, Lagern und Verladen der großen und schweren Bauteile angepasst wird. Weiter müssen genügend geeignete Flächen bereitgestellt werden, die die Unternehmen, die sich im Offshore-Windenergie-Bereich engagieren, für ihr Wachstum benötigen. Wenn dies umgesetzt wird, wird sich die Region sicher als Fertigungsstandort für Teile von Offshore-Windenergieanlagen etablieren.

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