
Interview mit Prof. Dr. Klaus-Jürgen Windeck

„Herr Professor Windeck, das maritime Kompetenzzentrum an der Weserschiene ist ein neuer, aber bereits sehr prominenter Träger der beruflichen Qualifizierung junger Menschen. Sie bauen ständig weiter aus und ergänzen die Ausbildungsangebote. Nicht nur für die Jugend in unserer Region, sondern sogar für internationale Lernende. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie dabei?
Der Maritime Campus Elsfleth ist in dem gemeinsamen planerischen und finanziellen Engagement der Stadt Elsfleth, des Landkreises Wesermarsch, des Landes Niedersachsens, des Bundes und der Europäischen Union sowie maritimer Unternehmen in einem bisherigen Volumen von rund 18 Millionen Euro realisiert worden. Strategisches Ziel ist es, berufsschulische Ausbildung, maritime Hochschulstudiengänge und angewandte maritime Forschung an einem Ort zum Nutzen für unsere gemeinsame Region, die „JadeBay“, zu konzentrieren.
„Welche Ausbildungsschwerpunkte werden hier beschult? Haben insbesondere der JadeWeserPort, aber auch andere wirtschaftliche Entwicklungserwartungen bereits Einfluss auf das zukünftige Angebot Ihres Kompetenzzentrums?“
In der seemännischen Berufsschule, die als „maritimes Kompetenzzentrum“ Teil der BBS Wesermarsch ist, wird zurzeit die Ausbildung zum Schiffsmechaniker und Schiffsmechanikerin angeboten. Für das nächste Jahr ist die Berufsausbildung „Hafenlogistik“ sowie in Kooperation zwischen Fachbereich Seefahrt und der BBS ein dualer Studiengang Nautik geplant. Das Studienangebot des Fachbereiches Seefahrt der Jade Hochschule – so unser neuer Name – der mit rund 700 Studierenden die größte maritime Hochschuleinrichtung Westeuropas ist, umfasst die Bachelor-Studiengänge Nautik, Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft (SHW) sowie Internationales Transportmanagement (ITM). Darüber hinaus bieten wir seit Beginn dieses Wintersemesters den Master-Studiengang Maritime Management an. Die dritte Komponente des Maritimen Campus ist das Zentrum für angewandte maritime Forschung. Dieses ist als „private-public partnership“ zwischen dem privaten Investor Beluga Shipping unter der Leitung des Bremer Reeders Niels Stolberg und dem Land Niedersachsen realisiert worden. Hier werden in Kooperation mit zahlreichen maritimen Unternehmen und Institutionen praxisnahe Forschungsprojekte z.B. im maritimen Umweltschutz, maritimer Informatik und maritimer Logistik durchgeführt. Darüber hinaus sind für das nächste Jahr zwei weitere Investitionsprojekte auf dem maritimen Campus für die Off-Shore-Windenergietechnik im Volumen von rund zehn Millionen Euro geplant.
Sind Sie mit diesem hochspezialisierten Angebot ein Einzelkämpfer oder existieren Kooperationen/Partnerschaften, bzw. wird so etwas für Sie möglich sein?“
Zwar ist unser bereits dargestelltes Studienangebot überwiegend in Deutschland einmalig und zieht Studierende aus der ganzen Bundesrepublik und dem Ausland bis hin aus China an, aber wir sind zugleich Mitglied in der „International Association of Maritime Universities“ und unterhalten aktive Kooperationen mit mehr als 20 Hochschulen in Europa, Asien, USA, Lateinamerika aber auch Australien und Neuseeland. Darüber hinaus haben wir eine Reihe von intensiven Kontakten mit maritimen Unternehmen und Institutionen, was für die weltweiten Praxissemester unserer Studierenden besonders wichtig ist. Wir sind also einmalig und zugleich stark vernetzt.
„Der JadeWeserPort rückt die Region in einen internationalen Fokus. Sehen Sie sich als ein Partner, der im Verbund mit anderen in der Region im Sinne unserer neuen, künftigen Internationalisierung tätig werden kann. Gemeinsam mit uns zum Beispiel?“
Unsere Absolventen arbeiten national und international in Führungspositionen von Reedereien, Hafenbetreibergesellschaften und Transportunternehmen. In diesem Sinne verstehen wir uns als natürlicher Partner des JadeWeserPorts besonders unter Berücksichtigung der internationalen Aspekte. Das betrifft mit Sicherheit auch die Zusammenarbeit mit JadeBay, was wir für unsere Region für sehr wichtig halten.
„Welche Wünsche haben Sie an die Wirtschaft und andere potentielle Partner in der Jade Bay Region, und was sind besonders dringende Handlungsfelder, die aus Ihrer Sicht zu bearbeiten sind?“
Ich bin fest davon überzeugt, dass es für die Bundesrepublik Deutschland als ressourcenarmem Land von extremer Bedeutung ist, ihr Humankapital optimal zu entwickeln. Dies entspricht unserem Auftrag als Hochschuleinrichtung und wir laden die maritime Verbundwirtschaft – auch die kleinen und mittleren Unternehmen – ein, diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen. Das bedeutet, dass wir gefordert werden wollen, in enger Abstimmung mit den privatwirtschaftlichen Partnern unsere Leistungsfähigkeit in der Lehre und der angewandten Forschung weiter zu entwickeln und verfügbar zu machen.

jade-bay.com
