Interview mit Uwe Fresenborg, Werkleiter bei Premium AEROTEC in Varel

"Herr Fresenborg, Sie sind seit November 2008 als Werkleiter in Varel tätig. Würden Sie uns kurz Ihren beruflichen Werdegang erläutern und was Ihre Motivation war, die Werkleitung in Varel zu übernehmen?"

Ich bin seit ca. 20 Jahren in der Luftfahrt und war schwerpunktmäßig bei AIRBUS aktiv. Angefangen habe ich als Entwicklungsingenieur in Bremen, war dann Abteilungsleiter in der Entwicklung in Hamburg, Stabsstellenleiter mit internationaler Verantwortung in Toulouse, Leiter Produktionsdienstleistungen und Einzelteilfertigung in Hamburg, Programmleiter Rumpfvorderteil und -hinterteil A380 in Hamburg und Projektleitung ZEPHYR (Transfer der Werke Laupheim, Varel und Nordenham) in Hamburg. Nach rund zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen Aufgaben bei AIRBUS freue ich mich sehr, meine Erfahrungen nun in die neu geschaffene Premium AEROTEC GmbH einbringen zu können. Mir macht es sehr viel Spaß, meinen Teil dazu beizutragen, einen erfolgreichen neuen First Tier Lieferanten für die Luftfahrtindustrie aufzubauen.

"Airbus hat die Werke in Augsburg, Nordenham und Varel ausgegliedert und unter der EADS in eine eigene Struktur mit Namen Premium Aerotec GmbH überführt. Was ist in diesem Zusammenhang von dem Hauptkunden Airbus zu erwarten und wollen bzw. können Sie als "bevorrechtigter Zulieferer" auch andere wie Boeing beliefern?"

Die Premium AEROTEC ist "bevorzugter Zulieferer" von AIRBUS und bereits heute Zulieferer für Boeing im 787-"Dreamliner" Programm und für die EADS im Rahmen des Eurofighter-Programms. Natürlich ist eines unserer Unternehmensziele, die Diversifizierung weiter voranzutreiben. Wir wollen unsere Kundenbasis verbreitern durch neue Aufträge aus der zivilen Luftfahrt – in Betracht kommen hier beispielsweise Embraer, Boeing oder Bombardier – und der militärischen Luftfahrt.

"Die letzten Jahre wurden bei Airbus vom Einsparprogramm Power 8 beherrscht. Welche Auswirkungen hat das Sparprogramm aktuell noch auf die Standorte, wenn ich Sie das für Nordenham mit fragen darf?"

Das Power 8 Programm verhilft uns zu verbesserter Wettbewerbsfähigkeit und damit zur Erschließung neuer Aufträge. Durch das Programm Power 8 werden wir uns weiter verbessern und uns nachhaltig zu einem großen "bevorzugten Lieferanten" in der Luftfahrt etablieren!

"Zusammen mit verschiedenen Partnern entwickeln Sie derzeit eine neue Standortqualität in den Bereichen Zerspanung und Vorrichtungsbau. Was genau passiert da in und um Ihr Werk herum?"

Wir reden hier von dem sogenannten "Viereck". Jedes dieser Ecken ist wichtig, um den Standort Varel für seine Rolle in der Premium AEROTEC als "bevorzugter Lieferant" weiter zu entwickeln. Die erste Ecke ist das Werk. Hier werden durch neue A350-Arbeitspakete (Tür-Torrahmenmontage, Fußbodenrostmontage, Titanzerspanung) und Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit die Grundlagen dafür geschaffen, uns auf die Zukunft vorzubereiten.

Die nächsten drei Ecken werden in einer folgreichen Zusammenarbeit mit dem Landkreis Friesland, der Stadt Varel und dem Land Niedersachsen erarbeitet.

Die zweite Ecke ist der Industriepark. Durch die Ansiedlung von Zulieferern für das Werk Varel und die damit verbundene Nähe zum Industriepark sind weitere Wettbewerbsvorteile zu erwarten. Wichtig ist uns hier, dass die neu angesiedelten Unternehmen schnellstmöglich diversifiziert werden, um sie auf eine breite Kundenbasis zu stellen.

Die dritte Ecke ist ein Ausbildungszentrum. Der Mensch als Wettbewerbsvorteil wird immer wichtiger. Durch eine Hightech-Berufsausbildung und berufliche Fort- und Weiterbildung wollen wir für unsere Region und Niedersachsen den bestmöglichen Ausbildungsstandard erreichen.

Die vierte Ecke ist ein Technologiezentrum für Zerspanung. Dieses Technologiezentrum wird international agieren und marktführende Anwender, Hersteller für Zerspanungstechnologie und Forschungsinstitute zusammenführen, um sich gemeinsam den Anforderungen der Zukunft zu stellen.

"Abschließend, sehr geehrter Herr Fresenborg, erlauben Sie mir folgende Frage: Was unterscheidet die Menschen hier von denen an anderen Standorten? Was können sie gut und wo muss man sich verbessern?"

Ich habe alle Standorte bei AIRBUS gesehen. Die Friesen sind aber besonders. Positiv gemeint! Sie sind sehr verbunden mit dem Standort, kaum vergleichbar mit anderen Standorten. Andererseits bedarf es einer hohen Energieleistung, um sie als "Mittäter" für Veränderungen zu gewinnen. Wenn sie dann gewonnen sind, marschieren sie ohne wenn und aber. Das ist die Aufgabe von vertrauensvollem Management und damit auch meine Hauptaufgabe, die richtig viel Spaß macht.

Donnerstag, 02.02.2012

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