Qualifikation und Kinderbetreuung als Standortfaktoren in der JadeBay-RegionLenkungsgruppe des Regionalen Fachkräftebündnis JadeBay entschied über aktuelle und weitere Projekte

Jugendliche der Sekundarstrufe I über die Maritimen Berufe informieren, spanische Jugendliche für deutsche Unternehmen begeistern und die Herausforderungen in der Kinderbetreuung meistern

Die Lenkungsgruppe der 21 Bündnispartner im Regionalen Fachkräftebündnis JadeBay traf sich am 19. Oktober 2017 in Wittmund, um über aktuelle und weitere Projektanträge zu entscheiden.

So entschieden sich die anwesenden Bündnispartner, die Maritime Branche als einen der größten Arbeitgeber in der Region in der Nachwuchswerbung zu unterstützen. Die JadeBay GmbH baut dabei auf Prozessen auf, die durch die Maritime Interessensgemeinschaft e.V. aus Wilhelmshaven vor einigen Jahren bereits erprobt worden sind. Teilnehmenden Schulen soll dabei eine Vorgabe für den Unterricht an die Hand gegeben werden, um die theoretischen Kenntnisse über die vielfältigen Berufsausbildungen zu verbessern. Den Bezug zur Praxis sollen die Jugendlichen und Lehrkräfte durch Betriebsbesuche sowie Besuche von Unternehmensvertretern in Schulen erhalten. Am Ende eines Schulhalbjahres können alle teilnehmenden Schulen und Unternehmen sich in einer gemeinsamen Veranstaltung austauschen. Die JadeBay GmbH wird nun einen Förderantrag an die Niedersächsische Investitions- und Förderbank vorbereiten, um die Finanzierung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sicherzustellen.

Spanische Fachkräfte in die JadeBay-Region holen

Das von den Unternehmen bbf sustain aus Oldenburg und Zeit&Service aus Brake im Fachkräf-tebündnis beantragte Projekt „Adelante“ wurde inzwischen gestartet und soll spanische junge Fachkräfte dauerhaft für die JadeBay-Region begeistern.

Hintergrund sind die nach wie vor hohen Arbeitslosenquoten spanischer Jugendlicher von regionsweise bis zu 40 Prozent.
Die Sprachausbildung in deutscher Sprache mit Zertifikat erfolgt dabei bereits in Spanien. Aktuell werden bis zu 18 Teilnehmer in Spanien angeworben, um ab dem 01. November 2017 ein zweimonatiges Praktikum in den zehn teilnehmenden Unternehmen der JadeBay-Region anzutreten. Ab dem 01. Januar 2018 würde dann die Anpassungsqualifizierung für zwölf Monate anlaufen, die bei erfolgreichem Abschluss mit IHK-Zertifikat die deutsche Anerkennung des bereits erlernten Berufes zur Folge hätte.

Standortqualität durch Kinderbetreuung, zukünftige Entwicklung, Chancen und Herausforderungen für die JadeBay-Region

Neben konkreten Projektideen nutzt das Regionale Fachkräftebündnis JadeBay zu seinen Sitzungen auch die Gelegenheit, standortrelevante Branchen und deren Fachkräftesituation zu hinterfragen. Will die Region bei der Anwerbung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Wettbewerb zu anderen Standorten erfolgreich sein, so ist das Thema einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung von großer Bedeutung.

Somit zeigte Frau Dipl. Pädagogin Nicole Messner, Kita-Leiterin aus Varel, am Beispiel des Land-kreises Friesland auf, vor welchen Herausforderungen die JadeBay-Region steht.

Sukzessiv steigende Geburtenzahlen und die Zuwanderung von Flüchtlingen verbunden mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für den Nachwuchs haben die Nachfrage derartig erhöht, dass das derzeitige Angebot diese nicht befriedigen kann.
Insbesondere verstärkt nachgefragt werden Vormittags- und Ganztagsbetreuung sowie Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren. Nachmittagsgruppen sind dabei fast ausschließlich von Kindern mit Migrationshintergrund sowie Kindern aus sozial benachteiligten Familien belegt, was die Integration dieser Randgruppen stark erschwert.

Der Fachkräftemangel ist in der Branche omnipräsent. Zwischen Personalbedarf und Nachfrage klafft eine große Lücke. Nachholbedarf sieht Messner hier vor allem bei den Rahmenbedingungen der Ausbildung, die der Entwicklung dringend angepasst werden müssen. Die Diskrepanz zwischen anspruchsvoller, hochwertiger Ausbildung und niedriger Vergütung ist eklatant. Hinzu kommt eine hohe Abbruchquote von Auszubildenden mit unreellen Vorstellungen von den Berufsanforderungen. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Fachschulplätzen für die Weiterbildung, denn der Hälfte der weiterbildungswilligen Fachkräfte entstehen hier Wartezeiten.

Die Region muss der Entwicklung entgegentreten, um die Standortqualität zu erhöhen. So haben sich, rekrutiert aus einer Fachtagung im März dieses Jahres im Bürgerhaus Schortens, Vertreter aus Politik und Verwaltung, Berufsbildende Schulen, Kitaleitungen, Arbeitsagentur, Jobcenter und Einrichtungsleitungen zusammengetan und den Arbeitskreis „Fachkräftemangel in der Region“ ins Leben gerufen.

Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt und lassen auf weitere hoffen. Unter anderem soll auf Jobmessen verstärkt für den Erzieherberuf geworben, ein Imagefilm für Berufseinsteiger erstellt und der Quereinstieg für Erzieherinnen berufsnaher Gruppen gefördert werden.